Es ist Mitte Dezember und es schneit in Dresden. Die Flocken wirbeln umher, als würde Frau Holle sämtliche Betten der hiesigen Hotels ausschütteln. Die Hoffnung auf weiße Weihnachten wächst. Kinder holen ihre Schlitten hervor, bauen Schneemänner veranstalten Schneeballschlachten.

Autofahrer sind genervt vom Scheibenkratzen und den glatten und zum Teil ungeräumten Straßen. Schimpfend stehen sie im Stau, kommen zu spät auf Arbeit. Andere Leute stehen zähneklappernd an der Haltestelle, weil wieder mal eine Straßenbahn ausgefallen ist. Kommt dann endlich eine Bahn, drängen sie sich in die schon vollen Wagen, die nicht von weihnachtlichen Gerüchen berherrscht werden. Andere hetzen, den Hals eingezogen und den Kopf leicht nach vorn gebeugt, durch die Straßen. Überall Hektik, Stress und Eile.

Kaum einer bemerkt das Naturschauspiel „Schneefall“ bewusst. Dabei ist es doch ganz einfach, wenigstens ein paar Momente zu verharren, um den Flockenwirbel zu genießen. Wie die Glitzersterne tanzend in die Tiefe gleiten und den vorher grauen Boden mit einer weißen Schicht bedecken, welche im Licht der Straßenlaternen funkeln. Diesen Moment müsste man für die Ewigkeit bewahren.

Ruhe. Durchatmen.

Die Ampel schaltet auf Grün. Ich gebe Gas und fahre los. Der Scheibenwischer streicht die auf der Frontscheibe meines Autos geschmolzenen Schneeflocken beiseite.