Der Sturm peitscht den Regen unregelmäßig ans Fenster. Der Wind faucht um das Haus und manchmal flackert die Kerze ein wenig. Aber vielleicht bilde ich mir das auch ein. Ich schaue aus dem Fenster und sehe in der Dämmerung, wie der Sturm an den Ästen und Zweigen des Spitzahorn zerrt und dabei die letzten Blätter abreißt, die dann über das Haus gewirbelt werden. Nun ist der Baum endgültig kahl. Wie ein bizarres Gerippe steht er in der Landschaft mit seinen hunderten hin- und her wiegenden Armen. Ein wenig gruselig ist das schon.

November Spawned a Monster‚ denke ich bei mir mit dem Blick aus dem Fenster. Dieser Song von Morrissey, dem Altmeister der schwermütigen Musik, schreibt den vollendeten Soundtrack für diesen stürmischen und verregneten Herbsttag. Perfektion in Vollendung.

In der Küche kocht inzwischen das Teewasser. Ein kräftiger Kräutertee sollte mir jetzt gut tun. Außerdem wartet der Sessel und das Buch „Die seltensten Bienen der Welt“ von Dave Goulson auf mich. Schließlich will die Lektüre auch zu Ende gelesen werden.

Wenige Minuten später sitze ich entspannt im Ohrensessel. Neben mir der dampfende Tee, das Buch in der Hand, der Regen klopft an die Scheiben, der Sturm saust um das Haus. Hier und jetzt habe ich ein kleines bisschen Novemberglück gefunden und kein Monster ist weit und breit zu sehen. Morrissey hat eben nicht immer recht.

Diesen Beitrag schrieb ich für die Blogparade #Novemberglück, welche von Lutz Prauser initiert wurde.