Opa Langbein.

Weberknecht

Mein Sohn traut sich nicht, die Schuppentür zu öffnen, um sein Fahrrad heraus zu holen. Als Ausrede gibt er an, Weberknechte würden die Tür bewachen. Ein zwölfjähriger Junge hat Angst vor Spinnen. Ich seufze tief und laut hörbar. Aber was sind Weberknechte eigentlich für Tiere?  Die Weberknechte, auch Schuster, Kanker, Zimmermann oder Opa Langbein genannt, stellen eine Ordnung der Spinnentiere

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Butterbrötchen und Kakao.

kakao

Mit meiner Oma konnte ich nie telefonieren. Als sie vor 31 Jahren ging, hatten wir noch keinen Fernsprecher. Kaum jemand hatte im Osten Deutschlands ein Telefon. Aber das war nicht weiter schlimm, denn meine Großeltern wohnten im Nachbardorf, knapp fünf Kilometer von der elterlichen Wohnung entfernt. So radelte ich ab und zu hinüber. Doch am liebsten verbrachte ich einen Teil

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Das Holozän endet im August.

schnee

In den Nachrichten sprechen sie von einstelligen Temperaturen bis zum späten Vormittag. Genauso stelle ich mir einen Spätsommermontag im August vor. Als ich vor die Haustür trete, kriecht mir die Kälte zielstrebig unter meine Sweatjacke. Mich fröstelt es leicht. Sollte ich wirklich schon die Winterjacke hervor kramen? Vielleicht auch gleich den kuschligen Schal, die Pudelmütze und die wollenen Handschuhe? Man

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Sommer im Oberpinzgau.

Pinzgau 2014

Wiederholungstäter. Dieser Begriff fällt mir ein, denn bereits zum fünften Mal sind wir im Sommer zu Gast im wunderschönen Oberpinzgau, hoch oben im Mühlbachtal. Dort, wo sich die Wolken sammeln, während unten im Dorf noch die letzten Sonnenstrahlen auf den Boden treffen. Dieses Jahr war das Wetter sehr durchwachsen und war von häufigen Regenfällen geprägt. Doch das hielt uns nicht

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Stelldichein bei der Wiesenmahd.

storch

An diesem Frühsommertag weckt mich der Traktor, der neben dem Haus die Wiese mäht. Es wurde allerhöchste Zeit, denn das Gras war schon knapp einen Meter hoch. Ich schaue aus dem Fenster, blinzle gegen die Morgensonne und entdecke ein Weißstorchpärchen in kurzem Abstand hinter dem Traktor entlang schreiten. Sicher halten sie nach Mäusen Ausschau, die sich sonst im Schutze des

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Vom Küssen.

kuss

Der Kuss. Es wurde schon sehr viel darüber geschrieben, gemalt und verfilmt. Es gibt vielerlei Arten von Küssen: den Handkuss, den Filmkuss, den Luftkuss, den Stirnkuss, den Eskimokuss, den sozialistischen Bruderkuss oder den Schmatzer, den man seinem Kind auf die Wange drückt; den romantischen Lippenkuss, der bei jung und alt hoch im Kurs steht und den Zungen- und Intimkuss, die

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Postkarten oder Wie man anderen eine Freude bereiten kann.

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Seien wir mal ehrlich. Wann haben wir die letzte Postkarte geschrieben? Dabei meine ich nicht die elektronischen Grußkarten, die per E-Mail verschickt werden, sondern solche, die ganz altmodisch mit einem Stift auf Papier verfasst werden. Das ist sicher schon Ewigkeiten her, maximal im letzen Sommerurlaub haben wir es getan, vielleicht liegt es auch noch länger zurück. Man muss ja dann

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Kirschblütenschneegestöber.

Kirschblüten

Mitte April versinkt das Land ringsum in einer ausufernden Blütenpracht. Von Schlohweiß bis Purpur finden man an Straßen, Wiesen und Äckern sämtliche Farbnuancen. Auch der riesige Kirschbaum, der im Sommer große schwarze Knorpelkirschen unter seinen Blätterfittichen beherbergt, hat sich in sein weißes Frühlingskleid gehüllt. Eine ganze Woche trägt er es schon. Wenn die Sonne scheint, summt und brummt es in

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Der verlorene Frühling.

Frühling

Erst warteten wir auf den Winter, der dann doch nicht kam. Dann sehnten wir den Frühling herbei. Erst war es lange trocken, dann regnete es, der Wind zersauste so manch mühsam frisierten Frauenkopf und frisch gescheiteltes Jünglinghaar. Später wurde es warm und plötzlich wieder kalt. Es schien, als wäre Petrus das Rezept für den Frühling verloren gegangen. Die Vögel fingen

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Teebeutelgedanken.

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Ein schmales Rinnsal Flüssigkeit sucht sich seinen Weg zum Ausguss. Ein Teebeutel fand den einsamen Tod im kalten Becken der Edelstahlspüle, während der Mensch sich am heißen Getränk labt. Ein tragisches Schicksal. Aber warum liegt der Teebeutel in der Spüle und wurde nicht gleich im Müll entsorgt? Doch bevor sich jemand über das pauschale „Müll“ echauffiert, hier ein kurzer Exkurs

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One Fine Day – Ein Abend mit Camouflage.

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Dresden. Samstag, 7. Februar 2014. 18 Uhr. Milde sechs Grad. Ein leichter Wind umsäuselt die etwa 50 zumeist schwarz gekleideten Menschen, welche am Eventwerk am Einlass ausharren, um sich das Jubiläumskonzert von Camouflage anzusehen. 30 Jahre elektronische Musik vom Feinsten. Erwartungsvolle Spannung ist überall zu spüren. Pünktlich 18:30 Uhr öffnen sich die Tore und die inzwischen auf mehrere Hundert Wartende

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Die Fliege, die Lesen wollte.

stubenfliege

Die Sonne blinzelt müde durch den wolkenverhangenen Winterhimmel direkt in das Buch, welches ich gerade lese, während ich auf dem Sofa bequem lümmele. Meine Augen rasen die Zeilen entlang. Doch plötzlich sitzt ein dicker schwarzer Fleck am Ende des Absatzes. Es ist Musca Domestica, die Gemeine Stubenfliege. Mit einer kurzen Handbewegung verscheuche ich das Insekt, doch sie kommt lautlos wieder,

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